Papierdatieren

Beim Papierdatieren stoßen Laien und manchmal auch Experten mitunter an ihre Grenzen. Die größten Auswirkungen wird ein nicht erkanntes Original oder eine ‘untergejubelte’ Fälschung aber wohl in finanzieller Hinsicht haben. Dass dies ein grar nicht altzu abstraktes Szenario ist, belegte die Aussage eines mit Kunstdelikten beauftragten Kriminalbeamten:

“Der Anteil an Fälschungen bei allen am Landeskriminalamt Baden-Württemberg bearbeiteten Delikten im Kunstbereich – also Fälschung, Diebstahl, Raubgrabungen, Beutekunst … – steigt seit Jahren stetig. Er beträgt zur Zeit etwa 70%.”


Begriffsdefinition

Für den Bereich der Kunst werden folgende Begriffe verwendet:

  • Original,
  • Kopie (Kopie eines bestehenden Werkes),
  • Plagiat (fremdes Werk, von dem behauptet wird, es sei sein eigenes),
  • Falsifikat (ein Werk, im Stile eines Künstlers mit dem “falschen” Hinweis, es sei ein Original) oder Fälschung (Kopie eines bestehenden Werkes, mit dem “falschen” Hinweis, es handele sich um das Original) ?

Die Unterscheidungen bei solch komplexen Fragen erfordert neben stilkritischer Kennerschaft immer öfter auch materialtechnische Untersuchungen. Einige der Möglichen Verfahren zur Fälschungserkennung sind hier zusammengestellt. Mag die Entnahme einer winzigen Probe aus der Malschicht eines Ölgemäldes noch möglich sein, so ist dies bei Skizzen oder Zeichnungen in Aquarell, Bleistift, Zeichenkohle, Briefen, Notenblättern, Plakaten, Fotografien und Druckgrafiken nicht machbar. Daher versagen bei solchen Objekten alle gängigen naturwissenschaftlichen Methoden zur Authentizitäts- bzw. Altersbestimmung. Nicht zuletzt daher, ist der Fälschungsanteil hier viel höher.

Das Datieren und Vergleichen von Kunst und Dokumenten auf Papier kann hier möglicherweise Abhilfe schaffen. Hierfür werden Merkmale, wie Papierstrukturen, die bei der Papierherstellung bewuß oder unbewußt ins Papier eingebracht wurden, sichtbar gemacht und ausgewertet.

Wenn Sie ein Papier datieren bzw. das Papieralter bestimmen möchten, um so mehr zum Alter einer Zeichnung, Graphik, eines Testamentes, eines Briefes oder Buches wissen wollen, könnte eine Wasserzeichen- oder eine Papierstrukturanalyse vielleicht Aufschluss geben. Auch bei weiteren Fragestellungen kann die Papierstruktur-Analyse weitere Indizien liefern. Ein Beispiel für den vielseitigen Einsatz wäre: Ihnen wurde ein mehrseitiger, von Ihnen angeblich unterschriebener Vertrag vorgelegt, bei dem Sie nun beweisen müssen, dass einzelne Seiten nachträglich ausgetauscht wurden? In einem solchen Falle können vielfältige Papieruntersuchungen (z.B. ein Vergleich des Fingerprints der Papiermaschine) für Klarheit sorgen.

 

Mehr zu den unterschiedlichen Methoden der Papierherstellung:

 

 

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