Stefan Feyerabend

Die Vorfahren von Stefan Feyerabend („Gebrüder Rauch“) stellten 1825 eine der ersten Papiermaschinen in Deutschland auf. Nach der kompletten Zerstörung der Firma im 2.Weltkrieg legte man den unternehmerischen Schwerpunkt auf den Papierhandel und war später Mitgründer bei Papier Union – eines der größten Papierhandelsunternehmen in Deutschland.

„Papier begleitet von Anfang an mein Leben. Meine früheste Erinnerung ist ein Besuch mit meinem Vater in unserer Papierfabrik Gebrüder Rauch in Heilbronn vor ihrer Stillegung und Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Die eine Maschine produzierte gerade rosafarbenen Karteikarton, und ich erbat mir einen Teil des etwa 2 cm breiten Beschnitts zum Basteln. Spätere Besuche waren nur mit dem Boot des Neckarfischers möglich, denn der Zugang, eine Holzbrücke, war im Feuersturm des großen Bombenangriffs verbrannt. Genauso erging es unseren beiden Papiermaschinen. Wie ich später dazulernte, war deren erster Vorgänger die zweite Papiermaschine in Deutschland, die nach der Erfindung von 1825 aufgestellt wurde.
Etwa acht Jahrhunderte begleitet Papier als Beschreibstoff unsere Geschichte, ähnlich lange die Wasserzeichen im zunächst handgeschöpften Papier. Vor etwa zwei Jahrhunderten wurde die Papiermaschine erfunden. Zunächst gab es Maschinenpapier nur ohne Wasserzeichen. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich die Erfindung des Papiers mit Wasserzeichen durch, als ein sicherer und individuell beschreibbarer Schreibstoff als Schriftträger gesucht wurde.
Die vorliegende Sammlung deckt also nur einen kurzen Zeitraum der Papiergeschichte ab. Sie beschränkt sich auf die Verwendung von Maschinenpapier mit Wasserzeichen über etwas mehr als 100 Jahre. Außerdem beschränkt sie sich auf Papiere zur Nachrichtenübermittlung, also Briefe und  Druckschriften, jedoch nicht auf Wertpapiere.
Das erreichbare Sammelgebiet ist Mitteleuropa, vorzugsweise Archive  von Wirtschaftsbetrieben in Deutschland, die vor allem Briefe aus Deutschland enthielten mangels Handels auf internationaler Ebene.  Überwiegend handelt es sich um Briefe und Rechnungen im Format DIN-A-4 mit Egoutteur-Wasserzeichen; die Wasserzeichen sind aus Bildern, Wörtern und/oder einzelnen Buchstaben gestaltet. Sie können sich auf den Ort, den Firmen- oder Besitzernamen beziehen und symbolischen Charakter haben. Als Beispiel diene die lateinische „Fortuna“ für Glückstadt.
Leider gibt es kein „vollständiges Verzeichnis aller jemals maschinell gefertigten Wasserzeichen“. Der Anteil der nicht erfassten deutschen Wasserzeichen ist wahrscheinlich gering, weil nach zwanzig Jahren Sammlertätigkeit kaum noch unbekannte Motive auftauchten. Ähnliches gilt wohl für die kleineren Nachbarländer, wie Schweiz oder Niederlande in den letzten Jahrzehnten.
Händler als Eigentümer von Wasserzeichen sind ein deutsches Phänomen. In den benachbarten Ländern sind die wichtigen Papiergroßhandlungen viel früher in das Eigentum von Fabriken übergegangen als in Deutschland.
Die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten bedarf einer weiteren Untersuchung, die ich nicht mehr leiste.“

Stefan Feyerabend, Februar 2014

Seit seiner Pensionierung widmete sich Stefan Feyerabend den Wasserzeichen in Maschinenpapieren und baute seine inzwischen mehr als 4700 Objekte umfassende Sammlung auf.

Die Wassserzeichen der Sammlung Feyerabend stammen zumeist aus Briefen und Rechnungen. Die größte Schwierigkeit bei der Digitalisierung war, mit einfachen Mitteln, die Wasserzeichen sichtbar zu machen. Die Dokumente wurden alle im Durchlicht gescannt und anschließend wurde die Schrift und Bedruckung per Software entfernt. Die meisten der Wasserzeichen stammen aus Deutschland und Europa und sind von Industriefirmen, dem Papiergroßhandel oder Gewerbebetrieben benutzt worden. Die zeitliche Streuung der Belege wächst zunächst ähnlich wie der allgemeine Papierverbrauch an. Nach dem zweiten Weltkrieg koppelt sich die Verwendung von Wasserzeichen aber vom Papierverbrauch ab und läuft beständig zurück. Inzwischen sind Wasserzeichen nahezu bedeutungslos.

Die Wasserzeichen der Sammlung Feyerabend sind über das Bernstein-Portal recherchierbar. Zugleich kann via www.papierstruktur.de/feyerabend die Sammlung direkt durchsucht werden. Mit Abschluss der Digitalisierungen ist die Sammlung in Besitz der Papierhistorischen Sammlung des Deutschen Buch- und Schriftmuseums an der Deutschen Nationalbibliothek übergegangen.